Zipp, Friedrich - "O du lieber Augustin: Metamorphosen im Stil berühmter Komponisten"
Der am 20. Juni 1914 in Frankfurt geborene Friedrich Zipp wuchs in einer sehr musikalischen Familie mit einer langen Ahnenreihe von Lehrer-Organisten und -Kantoren auf. Nach seinen eigenen Worten "gehörte Musik von Jugend an zu [seinem] Leben dazu und war nicht daraus wegzudenken. Es wurde gesungen, gespielt (zuerst Klavier, später Geige und Bratsche und schließlich auch Orgel, die Königin der Instrumente) und bei Gelegenheit dirigiert". Sogar erste Kompositionsversuche kamen schon in der Zeit hinzu. Nach seinem Abitur im Jahre 1933 nahm er in Frankfurt ein Musikstudium auf und führte dies später in Berlin fort.
Nach dem Abschluss als Kirchenmusiker im Jahr 1938 arbeitete Zipp zunächst als Studienreferendar, Chorleiter und Organist in Frankfurt, bis er Im Jahr 1941 zum Militärdienst eingezogen wurde. 1945 geriet Zipp in amerikanische Kriegsgefangenschaft, wurde aber nach kurzer Zeit daraus entlassen und konnte noch im gleichen Jahr wieder als Kirchenmusiker in Frankfurt arbeiten sowie als freier Mitarbeiter beim (späteren) Hessischen Rundfunk. Im Jahr 1947 wurde Zipp als Dozent für Tonsatz und Gehörbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt a. M. berufen, wo er im Jahr 1962 zum Professor ernannt wurde. Im Jahr 1977 zog Zipp nach Freiburg i. Br. um, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1997 lebte.
Zipp außerordentlich breites kompositorisches Schaffen findet seinen Schwerpunkt besonders im geistlichen und weltlichen Chorwerke, obwohl es auch - wie in unserem Konzert zu hören - Instrumentalmusik umfasst. Er selbst beschreibt diesem Umstand wie folgt:
"Für die Richtung meines kompositorischen Schaffens wurde vor allem die Begegnung mit Armin Knab bedeutungsvoll. Waren meine schöpferischen Arbeiten bis dahin fast ausschließlich Instrumentalwerke gewesen, so weckte dieser Meister der Liedkunst in mir erst so recht das Verständnis für das Geheimnis der von der menschlichen Stimme getragenen melodischen Linie und für den lebendigen Chorklang. Durch Knab - wie durch Fritz Jöde und Walter Rein, die ebenfalls zu meinen Lehrern zählten - wurde mir auch der Schatz besonders des alten deutschen Volkslieds vertraut. Es war darum kein Zufall, daß ich meine Staatsexamensarbeit über "Grundsätzliches zum Volksliedsatz in der Musikübung unserer Zeit" schrieb. Und seitdem fesselt mich die schöpferische Auseinandersetzung mit den gehaltvollen Weisen der Volkslieder und Choräle immer wieder aufs neue, vom zweistimmigen Satz angefangen bis zur großen Kantatenform. Von jeher hat die Kunst aus dem Quell der Volksmusik unverbrauchte Kräfte geschöpft, und es führt ein gradliniger Weg vom Volkslied bis hin zu L. v. Beethovens IX. Symphonie oder zu J. S. Bachs Matthäuspassion."
Zipp war nach eigenen Worten davon überzeugt, "daß Musik zum Größten und Tiefsten gehört, das unserem Leben geschenkt ist", und sag es seine "vornehmste Aufgabe darin, diesen Reichtum möglichst vielen Menschen nahe zu bringen." Dass dies auch mit viel Humor geht, zeigen seine "Metamorphosen eines Gassenhauers im Stil berühmter Komponisten" über das Lied "O du lieber Augustin". Dabei griff er in gewisser Weise einen Einfall des Wiener Musikverlegers Anton Diabelli aus den 1820ern auf, der damals einen eigenen kleinen Walzer an 50 zeitgenössische Komponisten schickte mit der bitte, ihm jeweils eine Variation darüber zu schreiben (was Beethoven dann mit insg. 33 Variationen etwas übertrieb). Zipp griff diese Idee auf eigene Weise auf, indem er sich fragte, wie wohl bekannte Komponisten verschiedener Zeiten ein und dasselbe Thema variiert haben könnten. Heraus kam dabei ein kurzweiliges, heiter-besinnliches Kompendium, das zusätzlich den spannenden Nebeneffekt hat, gleichsam auch lehrreiche Einblicke in die musikalische Stilkunde zu vermitteln, nicht nur für die Zuhörer:innen, sondern auch für uns Musiker:innen.
